Universität Bonn

Medizinische Fakultät

Neuberufungen 2022

Im Jahr 2022 rief die Medizinische Fakultät folgende Professor*innen an die Universität Bonn:

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© UKom/Johann Saba

Prof. Dr. med. Hemmen Sabir

Professur (W2) für Experimentelle Neonatologie

Oberarzt, Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin, Zentrum für Kinderheilkunde, Universitätsklinikum Bonn

Hemmen Sabir ist seit dem 01. November 2022 neuer Teamleiter der neonatalen Neurowissenschaften, sowie Leiter der experimentellen Neonatologie in der Klinik für Neonatologie und pädiatrischen Intensivmedizin im Zentrum für Pädiatrie des Universitätsklinikums Bonn.

Prof. Sabir schloss 2007 seine Dissertation an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ab und habilitierte sich 2017 an der Universität Düsseldorf, bevor er sich 2020 an der Universität Bonn umhabilitierte.

Seine Professur folgt auf vorherige ausgewiesene Expertise in dem Bereich der neonatalen Neurowissenschaften, die er bei Laboraufenthalten in Bristol/England, Oslo/Norwegen und Essen sammeln konnte. Zuvor war er von 2014 bis 2019 als Oberarzt in der Neonatologie und pädiatrischen Intensivmedizin an der Klinik für Allgemeine Pädiatrie, Neonatologie und Kinderkardiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf tätig und davor von 2006 bis 2014 als Assistenzarzt ebenfalls am Universitätsklinikum Düsseldorf.

Seine Professur folgt auf vorherige ausgewiesene Expertise in dem Bereich der neonatalen Neurowissenschaften, die er bei Laboraufenthalten in Bristol/England, Oslo/Norwegen und Essen sammeln konnte. Zuvor war er von 2014 bis 2019 als Oberarzt in der Neonatologie und pädiatrischen Intensivmedizin an der Klinik für Allgemeine Pädiatrie, Neonatologie und Kinderkardiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf tätig und davor von 2006 bis 2014 als Assistenzarzt ebenfalls am Universitätsklinikum Düsseldorf.

Der Schwerpunkt von Sabirs wissenschaftlicher Arbeit wird auf der Erforschung verschiedener schädigender Ereignisse – Hypoxie-Ischämie, Entzündung, Frühgeburt – auf das sich entwickelnde Gehirn liegen. Insbesondere wird er sich mit der Erforschung der entzündungssensibilisierten hypoxisch-ischämischen Hirnschädigung befassen, wobei er und sein Team die Interaktion der hirneigenen Abwehrzellen mit der peripheren Immunantwort in ihren verschiedenen Modellen untersuchen werden.

Das Ziel ist die Erforschung und Etablierung neuer neuroprotektiver Therapien für Neugeborene mit hypoxisch-ischämischer Hirnschädigung.

Aus klinischer Sicht konzentriert sich Sabir auf die Etablierung von Biomarkern bei Neugeborenen mit hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie nach perinataler Asphyxie sowie auf den Aufbau eines deutschlandweiten Hypothermienetzwerks.

Prof. Brigitte Strizek

Prof. Brigitte Strizek leitet seit Mitte Oktober die Abteilung für Geburtshilfe und Pränatale Medizin am Universitätsklinikum Bonn (UKB). Die 43-Jährige ist erfahrene Geburtshelferin und Expertin auf dem Gebiet der Pränataldiagnostik sowie der fetalen Therapie und plant den Geburtshilfe-Hochrisikobereich weiter auszubauen. Eine besondere Verbindung zum UKB hat Prof. Strizek schon immer gehabt.

Die neue Leiterin der Geburtshilfe und Pränatalen Medizin am UKB, Prof. Brigitte Strizek, ist nämlich selbst am UKB zur Welt gekommen – damals noch im alten Gebäude der Frauenklinik auf dem Venusberg. Das Geburtenbuch mit ihrem Eintrag ist am UKB noch vorhanden. Seitdem hat sich ansonsten aber viel verändert. So hat Prof. Strizek, die seit neun Jahren am UKB tätig ist, den Umzug ihrer Abteilung in das 2020 eingeweihte Eltern-Kind-Zentrum (ELKI) wesentlich mitgeplant und organisiert.

Prof. Strizek_Brigitte-Kreissaal.jpg
© J.F. Saba

Im ELKI stehen nicht nur fünf moderne Kreißsäle und neu gestaltete Stationen zur Verfügung, es gibt dort sogar einen nach Beethoven benannten Geburtsraum. Die medizinischen Möglichkeiten geben den werdenden Müttern in angenehmer Umgebung die höchste Sicherheit. „Ich freue mich sehr, die Leitung der Geburtshilfe und Pränatalmedizin an meinem eigenen Geburtsort und dem UKB als Spitzenzentrum für Hochrisikogeburten, aber auch für normal verlaufende Geburten zu übernehmen. Neben dem Ausbau meines Schwerpunkts, der Fetalchirurgie, also der Behandlung von Erkrankungen des Ungeborenen noch im Mutterleib, streben mein Team und ich eine optimale Versorgung für alle Schwangeren und Entbindenden an“, so Prof. Brigitte Strizek. „Dabei sind neben einem Höchstmaß an Sicherheit für Mutter und Kind, menschliche Zuwendung und Geborgenheit unsere wichtigsten Anliegen“, ergänzt sie.

Bevor Prof. Strizek 2013 zurück an ihren Heimatort Bonn und das UKB kam, hat sie ihre Weiterbildung zur Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe u.a. in München und Belgien absolviert. In enger Zusammenarbeit mit ihrem Vorgänger Prof. Ulrich Gembruch, war sie als Leiterin des Kreißsaals seit 2018 maßgeblich am Ausbau der Abteilung für Geburtshilfe und Pränatale Medizin beteiligt. Die Anzahl der Geburten am UKB ist in den letzten Jahren stetig gewachsen, zum Ende des letzten Jahres waren es über 3.000 Babys, eine Rekordzahl für Bonn und eine der vier höchsten aller Universitätsklinika in Deutschland.

Aber es werden nicht nur Mütter und Kinder mit Erkrankungen am UKB betreut. Für Schwangerschaften, die ohne Probleme verlaufen, gibt es das erfolgreiche Angebot eines hebammengeleiteten Kreißsaals. Hier werden die Geburten allein von Hebammen betreut, mit der Sicherheit, dass eine Ärztin oder ein Arzt schnell zur Stelle ist, wenn es einen medizinischen Notfall gibt. „Als Frauenärztin kann ich die Unsicherheiten, die viele Frauen während einer Schwangerschaft erleben, sehr gut nachvollziehen. Ich bin daher sehr froh, dass ich ein großartiges Team an meiner Seite habe, das immer das Ziel hat, werdenden Müttern die passende Versorgung vor, nach und während der Geburt für ihre individuellen Bedürfnisse anzubieten. Mit der Weiterentwicklung der vorgeburtlichen Diagnostik gibt es außerdem tolle Möglichkeiten, etwaige Probleme schon weit vor dem Geburtstermin zu diagnostizieren und zu behandeln und jederzeit mit den spezialisierten Kinderärzten direkt unter einem Dach zusammenzuarbeiten“, sagt Prof. Strizek, bei der man die Begeisterung für ihr Fach spürt.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© UKom/Wislsperger

Prof. Dr. Niels A. W. Lemmermann

Professur (W1) für Impfstoff-Forschung

Niels A.W. Lemmermann hat am 1. August 2022 die W1-Professur für Impfstoffforschung am Institut für Virologie der Medizinischen Fakultät Bonn angetreten.

Seine Karriere in der Wissenschaft begann nach dem Studium der Humanbiologie an der Philipps-Universität Marburg, mit seinem Wechsel an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war. Hier fertigte er später seine Dissertation zum Thema "Molekulare Quantifizierung der mCMV-Immunevasion" an.

Er setzte er seinen wissenschaftlichen Weg als Arbeitsgruppenleiter und seiner der Habilitation an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz fort. Während seiner Forschungszeit dort leitete er Projekte zur Immunevasion, der Immunkontrolle und der latenten Genexpression von Cytomegaloviren (CMV).

Diese Viren gehören zur Gruppe der Herpesviren, die sich im Laufe von Millionen von Jahren der Koevolution an das Immunsystem ihres Wirts angepasst haben, so dass sie nicht aus dem Körper eliminiert, aber gleichzeitig vom Immunsystem kontrolliert werden. Wenn dieses Gleichgewicht zwischen Virus und Wirt gestört ist, z.B. bei der Infektion des Fetus oder unter Immunsupression, können schwere Verläufe auftreten. Prof. Lemmermann und sein Team möchten die komplexe Beziehung zwischen der Immunevasion des Virus und der Immunantwort des Wirt besser verstehen lernen um die antivirale T-Zell-Therapie der CMV-Infektion zukünftig zu optimieren.

Prof. Dr. Simone Dohle
© Universitätsklinikum (UKB)/Katharina Wislsperger

Prof. Dr. Simone Dohle

Professur (W2) Gesundheits- und Risikokommunikation der hausärztlichen Versorgung

Prof. Dr. Simone Dohle leitet seit dem 01. April 2022 die neue Arbeitsgruppe „Gesundheits- und Risikokommunikation in der hausärztlichen Versorgung“ am Universitätsklinikum Bonn (UKB). Im Rahmen der neuen Professur der Universität Bonn geht die 41-jährige Psychologin der Frage nach, wie Menschen durch eine gelungene Kommunikation zu einem gesundheitsfördernden Lebensstil motiviert und bei dessen Umsetzung unterstützt werden. Dazu möchte Prof. Dohle am Institut für Hausarztmedizin ein Forschungslabor für Gesundheits- und Risikokommunikation aufbauen. „Das Ziel einer guten Gesundheits- und Risikokommunikation ist häufig, auch diejenigen zu erreichen, die sich beispielsweise mit der Entwicklung eines gesundheitsförderlichen Lebensstils noch gar nicht beschäftigt haben“, sagt Prof. Dohle, die in anschaulichen graphischen Darstellungen von Risiko und Nutzen eine zentrale Rolle sieht. Die Wahrscheinlichkeit, beispielsweise einen Herzinfarkt zu erleiden, ist erst einmal nur ein mathematischer Wert – eine rein statistische Information. „Idealerweise wird das Risiko so vermittelt, dass es jeder verstehen kann und der Nutzen einer Ernährungsumstellung auf der Hand liegt. Der Betroffene kann dann eine informierte Entscheidung treffen“, betont Prof. Dohle.

„War schon immer der Prävention zugewandt“

Welche Informationen sind nötig, um Menschen zu motivieren, das Gesundheitsverhalten positiv zu ändern? Wie kann man ihnen dann helfen, sich gesünder zu verhalten? „Neben der Motivation kommt hier dem Planungsaspekt eine besondere Bedeutung zu. Die Motivation ist zwar da, aber wie geht es weiter?“, sagt Prof. Dohle. „Effektive Selbstregulationsstrategien tragen hier dazu bei, dass gesundheitsbezogene Absichten – wie sich bewegen und gesünder ernähren – auch umgesetzt werden.“

Um all diese Fragen beantworten zu können, möchte sie am Institut für Hausarztmedizin ein Forschungslabor für Gesundheits- und Risikokommunikation aufbauen. Ziel ist es, für die hausärztliche Praxis und den Facharzt geeignete Darstellungsformate zur Vermittlung von gesundheitlichen Risiken zu entwickeln. Am Computer werden unter anderem Informationsmaterialien per Eye-tracking auf ihre Verständlichkeit getestet. „Dadurch bekommt man Informationen darüber, welche Aspekte übersehen oder nicht verstanden werden“, sagt Prof. Dohle. In ihrer experimentellen Forschung interessiert sie sich dafür, wann die Bereitschaft steigt, weitere gesundheitsfördernde Schritte zu gehen. E-Health, hier Apps auf Smartphones, können dabei helfen, in einer realistischen Umgebung Gesundheitsverhalten zu erfassen und Entscheidungen zu einem gesundheitsbewussten Lebensstil direkt im Alltag zu unterstützen.

Gewinnbringende Verknüpfung von Forschung und Praxis

Die Möglichkeit am UKB ihre Forschung in der Praxis so umzusetzen, dass es den Menschen wirklich hilft, motivierte Prof. Dohle, den Ruf an die Medizinische Fakultät in Bonn anzunehmen. Es gibt viele Bereiche wie Pränataldiagnostik, Impfen, Organspende oder Erbkrankheiten, wo Personen patientenzentrierte Informationen benötigen, um eine individuell passende Entscheidung treffen zu können. „Patienten sind Individuen jeweils mit einem anderen Hintergrund. Das muss bei einer Risiko-Nutzen-Abwägung berücksichtigt werden“, sagt Prof. Dohle.

Prof. Dohle möchte zusätzlich auch technologische Möglichkeiten zur Erhöhung der Gesundheits- und Risikokompetenz wie Augmented Reality einsetzen. Dazu möchte sie bestehende Projekte mit Forschern beispielsweise von der University of Newcastle in Australien fortsetzen. Am Bonner Standort sieht sie ebenfalls viele Kooperationsmöglichkeiten, beispielsweise im Bereich eHealth zur Entwicklung von Gesundheits-Apps. Auch privat nutzt sie eHealth. So erfasst ihre Laufuhr Puls und zurückgelegte Strecke beim Joggen. Die Mutter von zwei Töchtern im Alter von drei und sechs Jahren ist aber auch gerne mit dem Rennrad unterwegs.

Ihre wissenschaftliche Karriere begann Prof. Dohle mit einem Studium der Psychologie in Würzburg und promovierte im Jahr 2010 in Zürich zu Risikowahrnehmung. Von 2011 bis 2014 leitete sie dort das Projekt „Das Ernährungspanel Schweiz“, eine Längsschnittstudie zu körperlicher Aktivität und Ernährungsverhalten im Alter von 20 bis 99 Jahren. Seit 2014 war sie an der Universität Köln tätig, wo sie nach ihrer Habilitation zum Gesundheitsverhalten eine Arbeitsgruppe im Bereich „Angewandte Sozialpsychologie und Entscheidungsforschung“ leitete.

Prof. Dr. Rayk Behrendt

Professur (W2) für Nukleinsäure Immunität

Rayk Behrendt übernahm zum 1. März 2022 die W2 Professur für Nukleinsäure Immunität mit Tenure Track. Die Professur ist an das Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie der Medizinischen Fakultät Bonn assoziiert.

Seine wissenschaftliche Karriere begann im Jahr 2000 mit einem Studium der Biologie an der Universität Greifswald. Bereits während des Studiums führte sie ihn jedoch ans Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. Hier schloss er auch seine Promotionsarbeit im Bereich der Molekularen Virologie als Kooperationsprojekt zwischen dem RKI und der Charité nahtlos an. Nach Abschluss seiner Dissertation wechselte Behrendt 2009 an das Institut für Immunologie der Universität Dresden.

Seit 2017 leitete er dort seine eigene Nachwuchsgruppe. Der Schwerpunkt seiner Forschungstätigkeit liegt dabei insbesondere auf dem angeborenen Immunsystem und dessen Rezeptoren zur Erkennung von Nukleinsäuren als potentielle Pathogene.

Prof. Dr. Rayk Behrendt
© privat

Unter bestimmten Bedingungen können diese nicht mehr zwischen fremden und körpereigenen Nukleinsäuren unterscheiden. Dies führt zu einer fälschlichen Aktivierung des Immunsystems und der Auslösung einer Typ-1 Interferon dominierten Immunantwort. Die Folge ist eine systemische Entzündungsreaktion und im Extremfall die Entwicklung von Autoimmunität. Behrendts Ziel ist es, die Quellen zelleigner immun-stimulatorischer Nukleinsäuren zu identifizieren und so molekulare Ursachen dieser Gruppe von sterilen Entzündungserkrankungen besser zu verstehen, sowie neuartige Ansätze für Therapien zu schaffen.

In Bonn wird Behrendt diese Arbeit fortsetzen und dabei besonderes Augenmerk auf die Rolle von im Genom kodierten viralen Sequenzen legen, die fast die Hälfte unserer Erbinformation ausmachen. Mit seiner wissenschaftlichen wie methodischen Expertise wird er den Forschungsschwerpunkt „Immunosciences and Infection“ weiter ausbauen. Wir wünschen ihm für seine Forschungsvorhaben viel Erfolg und heißen ihn an unserer Fakultät herzlich willkommen.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© Katharina Wislsperger/UKB

Prof. Dr. Maximilian Billmann

Universitätsprofessur für Pharmakogenomik (W1)

Zum 1. Februar 2022 wurde Prof. Dr. Maximilian Billmann zum Professor für Pharmakogenomik an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn berufen. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Rechenalgorithmen zur Analyse funktioneller Genomikdaten und deren Integration mit verfügbaren experimentellen und klinischen Omics-Daten im Sinne eines systemmedizinischen Forschungsansatzes.

In seinem Forschungsprogramm beabsichtigt er das Zusammenspiel von Genen und chemischen Verbindungen aus klinischen und experimentellen Genomik-, funktionellen Genomik- und Pharmakogenomikdaten vorherzusagen. Diese Arbeit baut auf grundlegenden Techniken des maschinellen Lernens einschließlich modernster Deep-Learning-Methoden auf. Zudem plant er, computergestützte Werkzeuge zur Interpretation experimenteller Omics-Daten zu entwickeln, die im Anbetracht der stetig wachsenden Menge klinischer Daten vielversprechende Erkenntnisse aber auch neue Herausforderungen mit sich bringen. Seine Forschung soll dazu beitragen, eine Brücke zwischen klinisch gewonnenen Daten und experimentellen Bemühungen zu bauen, um in Zukunft neuartige therapeutische Interventionen zu ermöglichen.

Während seiner, von der DFG unterstützten Postdoc-Arbeit an der University of Minnesota sowie der University of Toronto entwickelte Billmann Algorithmen, um die ideale Implementierung hunderter genomweiter CRISPR-Cas9-Screens zu steuern, genetische Interaktionen zu identifizieren und zu integrieren, mit dem Ziel eine Referenzkarte für genetische Einflüsse in einer menschlichen Zelle zu erstellen. Während seiner Doktorarbeit an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg untersuchte er wie sich genetische Einflüsse nach Stimulation von Signalwegen verändern. Zuvor hatte er sein Studium der Molekularen Biotechnologie an der TU Dresden sowie der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg absolviert.

Billmann wird mit seiner Arbeitsgruppe am Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums beheimatet sein. Dort stehen ihm nicht nur neueste Technologien für funktionelle Genomikanalysen zur Verfügung, es bieten sich auch vielfältige Zusammenarbeiten mit den Arbeitsgruppen des Instituts an, die an der Erforschung der genetischen Grundlagen von Krankheiten arbeiten.

Mit der Berufung von Prof. Dr. Maximilian Billmann konnten wir einen exzellenten bioinformatischen und innovativen Forscher für Bonn gewinnen und heißen ihn herzlich willkommen.

Prof. Dr. Carmen Ruiz de Almodóvar

Hochschulprofessur (W3) für Neurovaskuläre Zellbiologie

Die Universität Bonn hat erneut hochrangige Persönlichkeiten rekrutiert. Prof. Dr. Carmen Ruiz de Almodóvar trat zum 1. Februar 2022 eine sogenannte Schlegel-Professur an, die aus Exzellenzmitteln finanziert sind. Sie wird an der Universität Bonn ein neues Forschungsfeld erschließen und wichtige Impulse in den Lebenswissenschaften setzen.

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© Barbara Frommann / Uni Bonn

Mit den Schlegel-Professuren, benannt nach dem Bonner Philologen August Wilhelm Schlegel (1767-1845), richtet die Universität Bonn hochkarätige Lehrstühle im Zuge der Exzellenzförderung ein. Die „Schlegel Chairs“ werden von den Fakultäten in Fächern besetzt, die zu den forschungsstarken Schwerpunkten oder den Entwicklungsbereichen gehören.

„Die Gewinnung von international anerkannten Forschenden zur Steigerung unserer wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit ist ein Kernelement unserer Exzellenzstrategie“, betont Rektor Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch. „Mit der Biochemikerin Carmen Ruiz de Almodóvar und dem Theologen Martin Keßler ist es uns erneut gelungen, herausragende Persönlichkeiten an die Universität Bonn zu rekrutieren. Ich bin überzeugt davon, dass sie nicht nur wertvolle Beiträge in ihren Disziplinen leisten werden, sondern gleichzeitig unsere Fakultäten und Transdisziplinären Forschungsbereiche exzellent weiterentwickeln werden.“

Die Beziehung des Gefäß- und Nervensystems

Etwa 20 Prozent des Sauerstoff- und Glukosebedarfs des Körpers verbraucht das menschliche Gehirn, um seine hochpräzisen und ausgefeilten Funktionen aufrechtzuerhalten. Daher ist das Organ stark mit Blutgefäßen durchzogen, die jeden Winkel des Gehirns erreichen und sich mit all den dort befindlichen Nervenzelltypen vermischen. Carmen Ruiz de Almodóvar, neue Schlegel-Professorin an der Medizinischen Fakultät, möchte verstehen, wie das Gefäß- und das Nervensystem in verschiedenen Teilen des zentralen Nervensystems miteinander interagieren. Wie wird das Gehirn während der Entwicklung mit Gefäßen ausgestattet? Welche molekularen Signale nutzen Nervenzellen und Gefäße, um miteinander zu kommunizieren? Wie verändert sich diese Kommunikation bei krankhaften Zuständen wie neurologischen und neurodegenerativen Störungen? Um diese und weitere Fragen zu beantworten, bringen Ruiz de Almodóvar und ihr interdisziplinäres Team Wissen und Fachkenntnisse aus den Neurowissenschaften und den Gefäßwissenschaften zusammen.

„Die Universität Bonn bietet mir und meiner Forschungsgruppe ein einzigartiges Umfeld für exzellente Forschung und Lehre und einen großen Schwerpunkt in der interdisziplinären Forschung in den Lebenswissenschaften“, sagt Carmen Ruiz de Almodóvar. „Ich bin beeindruckt von der großen Vision für die Zukunft, zu der ich gerne beitragen möchte. Wir freuen uns darauf, mit Wissenschaftlern und Klinikern aus verschiedenen Bereichen zusammenzuarbeiten, um auch den Transdisziplinären Forschungsbereich ,Leben und Gesundheit‘ voranzutreiben.“

„Wir freuen uns sehr, Frau Professor Ruiz de Almodóvar nach Bonn rekrutiert zu haben. Mit ihr haben wir eine exzellente Forscherin gewinnen können, die auf ideale Weise unsere Forschungsschwerpunkte der Neurowissenschaften, kardiovaskulären Forschung und Immunologie verknüpft“, sagt Prof. Dr. Bernd Weber, Dekan der Medizinischen Fakultät. „Damit wird sie auch neue Ansätze für das Verständnis und die Therapien verschiedener Erkrankungen, wie der Multiplen Sklerose, am Universitätsklinikum erforschen.“

Zur Person: Biochemikerin Carmen Ruiz de Almodóvar

Carmen Ruiz de Almodóvar studierte Biochemie an der Universität von Granada (Spanien), wo sie im Jahr 2004 in Biochemie und Molekularbiologie promovierte. Anschließend ging sie nach Leuven (Belgien), um ihre Postdoc-Ausbildung am Flanders Center for Biotechnology (VIB) zu absolvieren. Vor ihrer Berufung nach Bonn war sie von 2011 bis 2018 Juniorgruppenleiterin am Biochemiezentrum der Universität Heidelberg und anschließend Professorin für vaskuläre Dysfunktion am European Center for Angioscience (Medizinische Fakultät Mannheim) der Universität Heidelberg. Sie hat einen ERC Starting Research Grant erhalten und ist derzeit Empfängerin eines ERC Consolidator Grant. Ihre Arbeit erhielt internationale Anerkennung durch verschiedene Auszeichnungen und hochrangige wissenschaftliche Publikationen.

Prof. Dr. Kathrin Leppek
© Johan Saba / UKom UKB

Prof. Dr. Kathrin Leppek

Zum 10. Januar 2022 hat Kathrin Leppek, Ph.D. (Dr. rer. nat.), eine W1-Juniorprofessur für Immunbiochemie mit Tenure-Track an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn angetreten.

Forschung im Bereich Immunologie und Immunbiochemie ist im Moment von besonderer Bedeutung. Für den Menschen wie für alle Lebewesen ist es überlebenswichtig, fremde Zellen und fremdes genetisches Material zu erkennen und zu beseitigen. Für diesen Zweck hat die Natur ausgeklügelte, auch immunbiologische, Mechanismen entwickelt. Darüber hinaus sind mit mRNA Impfstoffen neue Technologien als Therapeutika möglich, die in Zukunft ein großes Potential in der Medizin haben.


Dies ist das übergeordnete Thema für die Forschung von Frau Leppek. Im Rahmen ihrer Professur für Immunbiochemie wird Frau Leppek die molekularen und strukturellen Mechanismen der Proteinsynthese in der angeborenen Immunantwort untersuchen und dazu beitragen, die Wirkprinzipien dieses Systems besser zu verstehen. Mit den neuen Einsichten in die grundlegende Funktionsweise dieser Mechanismen sollen auch die Konsequenzen einer Fehlsteuerung des Immunsystems besser verstanden werden. Im Besonderen wird sich ihre Arbeitsgruppe mit der Frage beschäftigen, wie die Regulation von Genexpression in der angeborenen Immunantwort direkt vom Ribosom, der Proteinsynthese-Maschinerie, ausgeführt wird. Ihr Labor untersucht eine fundamental neue Art der Genregulation wobei ribosomale RNA (rRNA) Regionen, die auf der äußeren Schicht des Ribosoms exponiert sind, an ausgewählte Transkripte binden um mRNA- und Spezies-spezifische Translation zu ermöglichen. Ihr Labor verbindet dafür innovative RNA Biochemie und RNA-basierende Technologieentwicklung mit Modellsystemen, die von Hefe bis Makrophagen reichen.

Frau Leppek interessierte sich schon früh für die Biowissenschaften, arbeitete in verschiedenen renommierten Laboren und schaute im Laufe ihres interdisziplinären Werdegangs mehrfach über den symbolischen „Tellerrand“. Nach dem Bachelor-Studium in Biologie, Fachrichtung Molekularbiologie, machte Frau Leppek ihren Masterabschluss in Molecular Biosciences an der Universität Heidelberg mit höchster Auszeichnung.
Für die Promotionsphase wechselte sie an das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Dort erforschte sie die Rolle von Roquin-Proteinen im CDE-vermittelten mRNA-Abbau in Makrophagen, das am prominentesten für die begrenzte Produktion des Zytokins TNFa wichtig ist, eine Fragestellung im Bereich der adaptiven Immunantwort, und wurde 2014 mit Bestnote zum Ph.D. in RNA-, Immunology and Cancer Molecular Biologie promoviert. Sie erhielt zwei Preise für die beste Doktorarbeit im Jahr 2014 der Naturwissenschaftlichen Fakultät Heidelberg (Ruprecht-Karls Preis) und der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM; Karl-Lohmann Preis).

Frau Leppek sammelte auch internationale Erfahrungen. Zuletzt war sie als Postdoc an der Stanford-Universität, CA, USA, im Bereich RNA- und Ribosomforschung und Entwicklungsbiologie tätig. Hier charakterisierte sie auf molekularbiologischer, struktureller, und genom-weiten Ebene die Interaktion von 5'-UTR-mRNA-Elementen und Ribosomen, die Translations-Spezifität in der Mausembryonalentwicklung verleihen. Für diese Arbeiten erhielt Sie den Scaringe Postdoctoral Fellow Award 2021 der RNA Society. Zuletzt arbeitete Frau Leppek an der Optimierung von mRNA Impfstoffen zusammen mit zwei Teams in Stanford und Pfizer, um mRNA Strukturen, Stabilität und Translation für therapeutische Zwecke systematisch zu verbessern.

Ihre Forschungsergebnisse hat Frau Leppek bereits in zahlreichen Publikationen in hoch anerkannten Zeitschriften veröffentlicht, darunter in Cell, der Nature-Zeitschriftengruppe, Nucleic Acid Research und EMBO Reports.

Jetzt, an der Medizinischen Fakultät Bonn, möchte Frau Leppek neue Konzepte zur Rolle der Ribosomen bei der Steuerung der Genexpression in der angeborenen Immunantwort entwickeln und damit einen wichtigen Beitrag für die Immunbiochemie, Immunologie und weitere bedeutende biomedizinische Forschungsgebiete leisten. Durch die Berufung von Frau Leppek erfährt der Bonner Standort des SFB TRR 273 „Nukleinsäure Immunität“ eine zusätzliche Unterstützung und bietet umgekehrt der erfolgreichen Nachwuchswissenschaftlerin ein hervorragendes Arbeitsumfeld.
Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Frau Prof. Leppek und wünschen ihr für ihren Start in Bonn und ihre weitere Zukunft rundum alles Gute!

Prof. Dr. Shadi Albarqouni

Universitätsprofessur (W2) für Computational Medical Imaging Research

Zum 1. Januar 2022 wurde Prof. Dr. Shadi Albarqouni zum Professor für Computational Medical Imaging Research an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn berufen. Seit 2020 arbeitet Albarqouni als KI-Nachwuchsgruppenleiter am Helmholtz AI, München. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Entwicklung von KI-Modellen in der Medizin, interpretierbares Deep Learning, Robustheit, Unsicherheitsquantifizierung und föderiertes Lernen.  Ein Schwerpunkt seiner Forschung ist die Entwicklung innovativer Deep-Federated-Learning-Algorithmen, die das Wissen von KI-Kunden, z.B. Krankenhäusern, auf robuste und datenschutzkonforme Weise destillieren und teilen können. Er interessiert sich auch sehr für translationale Themen, v.a. im Bereich von Start-ups für innovative medizinische Lösungen mit begrenzten Ressourcen.

Albarqouni.jpg
© privat

Albarqouni erwarb seinen Bachelor- und Master-Abschluss in Elektrotechnik an der IU Gaza, Palästina, in den Jahren 2005 bzw. 2010. Bevor er 2017 in Informatik mit summa cum laude promovierte, arbeitete er als Senior Research Scientist & Team Lead bei CAMP und leitete die Medizinische Bildanalyse (MedIA) an der Technischen Universität München. Zusammen mit seinem Team untersuchte er die typischen Herausforderungen medizinischer Daten, wie Heterogenität, starke Klassenungleichheit, geringe Mengen an annotierten Daten, Variabilität zwischen bzw. innerhalb von Scannern sowie Inkonsistenzen zwischen bzw. innerhalb von Beobachtern. Zwei Jahre später erhielt Albarqouni das prestigeträchtige P.R.I.M.E.-Stipendium für ein Jahr, in dem er internationale Erfahrungen sowohl am Departement für Informationstechnologie und Elektrotechnik (D-ITET) der ETH Zürich in der Schweiz als auch am Department of Computing des Imperial College London im Vereinigten Königreich sammeln konnte.

Albarqouni hat mehr als 100 Publikationen (Zitate > 4100, h-index: 21) in den Bereichen Medical Imaging Computing, Computer Vision und Machine Learning veröffentlicht. Albarqouni dient der Forschungsgemeinschaft aktiv als Gutachter, Sitzungsleiter, Bereichsleiter, Mitglied des Programmkomitees, Mitglied des Organisationskomitees und Programm Co-Vorsitzender bei internationalen Konferenzen wie z. B. MICCAI, MIDL und ISBI.  Aufgrund seiner herausragenden Leistungen wurde Albarqouni zum Mitglied des European Lab for Learning and Intelligent Systems (ELLIS) und der Arab-German Young Academy (AGYA) gewählt. Kürzlich war er Co-Vorsitzender des Programms bei MIDL'22 in der Schweiz, Mitglied des Organisationskomitees bei ISBI'22 in Indien und MICCAI'24 in Marokko.
Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Albarqouni haben, kontaktieren Sie ihn bitte über seine E-Mail-Adresse: shadi.albarqouni@ukbonn.de. Weitere Projekte finden Sie hier https://albarqouni.github.io/
Mit Herrn Professor Albarqouni ist es uns gelungen einen wirklich herausragenden jungen und international renommierten Wissenschaftler im Bereich der Bildanalytik nach Bonn zu gewinnen, der uns im Bereich der Computational Medicine an der Schnittstelle der Medizin, Mathematik und Informatik signifikant verstärken wird. Wir freuen uns sehr über die Berufung und wünschen ihm einen guten Start in Bonn.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© Astrid Eckert

Prof. Dr. Ilona Grunwald

Universitätsprofessur (W3) für Physiologie

Zum 1. Januar 2022 wurde Prof. Dr. Ilona Grunwald zur Professorin für Physiologie und Leiterin des Instituts für Physiologie II an der Medizinischen Fakultät ernannt.

Prof. Grunwald war seit 2017 an der Technischen Universität München tätig, wo sie die Professur für Neuronale Steuerung des Stoffwechsels innehatte. Vorher forschte sie als unabhängige Gruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried bei München. Das Hauptanliegen ihrer Forschung ist zu verstehen, wie es Nervensysteme Menschen und Tieren ermöglichen, sich den ständigen Veränderungen in ihrer Umwelt kurz- und langfristig anzupassen, um damit ihr Überleben und das Überleben der nächsten Generation zu sichern.

Für ihre Forschungsarbeit nutzt sie vorwiegend Fliegen (Drosophila melanogaster) als Modellorganismus. Hierin untersucht sie grundlegende genetische, synaptische und neuronale Schaltkreismechanismen, die sich auch auf andere Organismen übertragen lassen. Ein Fokus ihrer Arbeit liegt auf der Fragestellung, wie physiologische Zustände wie Hunger oder Reproduktionszustand die Wahrnehmung und neuronale Verarbeitung von sensorischen Eindrücken wie Gerüchen und Geschmäckern verändern.

Ihr Diplom in Biologie erlangte Prof. Grunwald 1999 an der Georg-August Universität Göttingen. Im Anschluss forschte im Rahmen des Graduiertenprogramms am renommierten European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg und promovierte 2002 erfolgreich an der Universität Heidelberg. Längere Auslandsaufenthalte während des Studiums und als Postdoktorandin führten sie unter anderem an die University of California in San Diego und Los Angeles.

Für ihre Arbeit erhielt sie verschiedene Auszeichnungen, wie die Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft, den Career Development Award des Human Frontiers Science Program, den EMBO Young Investigator Award und den Dr. Heinrich-Baur-Preis. Außerdem wurde sie mit einem Emmy Noether-Gruppenleiterforschungsstipendium und einem ERC Starting Grant ausgezeichnet. Seit 2021 ist sie Henriette-Herz-Scout der Alexander von Humboldt Stiftung.

Mit Frau Professor Grunwald haben wir eine exzellente Wissenschaftlerin für Bonn gewinnen können, die unseren Forschungsschwerpunkt in den Neurowissenschaften auf herausragende Weise ergänzt. Für ihren Start in Bonn wünschen wir alles Gute und heißen sie sehr herzlich an der Medizinischen Fakultät willkommen.

Prof. Dr. Stefanie Poll

Juniorprofessur (W1) für Circuit Biology of CNS Neoplasia

Stefanie Poll trat zum Jahreswechsel 2021/22 die Professur für Circuit Biology of CNS Neoplasia mit Tenure Track am Institut für Experimentelle Epileptologie und Kognitionsforschung an.

Die Zahl der Erkrankungen des zentralen Nervensytems (in engl. Central Nervous Systems - CNS) sind in den letzten Jahrzehnten dramatisch gestiegen. Häufig liegen diesen Erkrankungen Störungen im Netzwerk der neuronalen Zellen zu Grunde. Die Untersuchung dieser zellulären Netzwerke und ihrer Veränderung wird als Circuit Biology, bzw. Netzwerkbiologie, bezeichnet und stellen einen Schwerpunkt der Bonner Neurowissenschaften dar, z.B. im Rahmen des Sonderforschungsbereiches 1089. Insbesondere durch Netzwerkstörung bedingte neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer rücken dabei zunehmend in den Fokus der aktuellen Forschung.

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© Kurda / DZNE

Doch auch Hirntumorzellen treten mit dem umliegenden gesunden neuronalen Gewebe in Austausch. Da diese Interaktion einen signifikanten Einfluss auf die Tumorformation (Neoplasie) und -Entwicklung zu haben scheint, gewinnt ihre Erforschung ebenfalls an wissenschaftlichem Interesse.

Stefanie Poll ist ausgewiesene Spezialistin für die Untersuchung neurobiologischer Netzwerkprozesse. Seit dem Abschluss ihres Studiums der Molekularen Biologie an der Westfälischen Hochschule im Jahr 2011 widmet sie sich der Erforschung neuronaler Netzwerke. Während ihrer Promotion am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn beschäftigte sie sich insbesondere mit den zellulären Veränderungen im Nervensystem durch die Alzheimer-Krankheit und deren Effekt auf die Lern- und Erinnerungsfähigkeit. Seit der Beendigung ihrer Dissertation 2017 setzt sie ihre Arbeit hierzu am DZNE fort. Dabei bedient sie sich modernster Methoden der Bildgebung wie der 2-Photon-STED- und der Multi-Photon-Mikroskopie. Im Rahmen ihrer Tätigkeit pflegt sie zudem eine enge Kooperation mit dem Institute of Interdisciplinary Neuroscience in Bordeaux, Frankreich, und war bereits mehrfach selbst für Forschungsaufenthalte beim Kooperationspartner vor Ort.

Im Rahmen ihrer Professur möchte Stefanie Poll ihren Fokus auf weitere Erkrankungen des zentralen Nervensystems ausweiten und ihre Expertise auch in der Untersuchung von Hirntumorformationen einbringen. Wir freuen uns sie an unserer Fakultät begrüßen zu dürfen und wünschen ihr für ihre Arbeit viel Erfolg.

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