Universität Bonn

Medizinische Fakultät

29. Januar 2026

Inanspruchnahme des Chlamydien-Screenings erhöhen Inanspruchnahme des Chlamydien-Screenings erhöhen

Bonner Forschungsprojekt zu Vorsorgeuntersuchung soll Früherkennung und frühzeitige Behandlung fördern

Eine Chlamydien-Infektion ist die häufigste sexuell übertragbare bakterielle Erkrankung und birgt unbehandelt bei jungen Frauen die Gefahr einer Unfruchtbarkeit. Doch das Angebot eines kostenlosen Chlamydien-Screenings wird von ihnen nicht ausreichend in Anspruch genommen. Im Projekt „FemScreen-CT – Multidimensionale Analyse des Chlamydien-Tests für Frauen von 16 bis 25 Jahren“ untersucht die Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Bonn (UKB) gemeinsam mit dem Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit (IHPH) am UKB jetzt spezifische Faktoren, welche die Screeningbereitschaft beeinflussen, sowie Barrieren, die bisher eine flächendeckende Durchführung des Screenings in Deutschland verhindern. Ziel ist es, langfristig die Inanspruchnahme von Chlamydien-Tests effektiv zu erhöhen und gleichzeitig Neuinfektionen durch Unterbrechung von Infektionsketten zu verhindern. Das Projekt wird vom Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zwei Jahre mit 1 Millionen Euro gefördert. 

Das FemScreen-CT –Team am UKB: (v. li) Dr. med. Katharina Last (IHPH), Univ. Prof. Dr. Nadine Scholten (CHSR) und Finn Seliger, M.Sc. (CHSR) wollen die Inanspruchnahme des Chlamydien-Screenings erhöhen und Infektionsketten unterbrechen.
Das FemScreen-CT –Team am UKB: (v. li) Dr. med. Katharina Last (IHPH), Univ. Prof. Dr. Nadine Scholten (CHSR) und Finn Seliger, M.Sc. (CHSR) wollen die Inanspruchnahme des Chlamydien-Screenings erhöhen und Infektionsketten unterbrechen. © Universitätsklinikum Bonn (UKB) / Rolf Müller
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Eine Infektion mit Chlamydien zählt weltweit zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene sind betroffen. Da eine Infektion meist ohne oder nur mit leichten Symptomen verläuft, bleibt sie vielfach unentdeckt. Aber eine unbehandelte Chlamydien-Infektion kann bei Frauen Entzündungen von Gebärmutter, Eileitern und Eierstöcken verursachen. Das erhöht das Risiko für Eileiterschwangerschaften und spätere Unfruchtbarkeit. Wird eine Infektion jedoch frühzeitig erkannt, ist sie in der Regel gut mit Antibiotika behandelbar. Deshalb haben Frauen bis zum vollendeten 25. Lebensjahr einmal jährlich Anspruch auf ein kostenloses Chlamydien-Screening. Aktuelle Zahlen deuten jedoch darauf hin, dass dieses Screening-Angebot junge Frauen bislang nicht ausreichend erreicht.

Ziel ist, eine weitreichende Annahme des Chlamydien-Screenings-Angebots

„Wir wollen daher förderliche Faktoren einer Nutzung des Screenings identifizieren, aber auch Hemmnisse und Herausforderungen im Zusammenhang mit Aufklärung und Screening sowie Ursachen für eine Nicht-Inanspruchnahme erkennen“, sagt Prof. Dr. Nadine Scholten, welche die Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung (CHSR) am UKB leitet und die Professur für psychosomatische und psychoonkologische Versorgungsforschung an der Universität Bonn besetzt. In dem Forschungsprojekt FemScreen-CT werden bundesweit dafür sexuell aktive Frauen im Alter von 16 bis 25 Jahren zu ihren Einstellungen und ihrem Wissen über Chlamydien sowie über das bestehende Testangebot anonym befragt. Auch die Perspektive niedergelassener Frauenärzt*innen wird durch eine Befragung zum Screening-Angebot erfasst.

Ergänzend werden mithilfe der Auswertung von anonymen Abrechnungsdaten der niedergelassenen Ärzt*innen die tatsächliche Versorgungssituation in Deutschland untersucht sowie eine gesundheitsökonomische Analyse der Screeningkosten unter Berücksichtigung des Nutzens für die Patientinnen durchgeführt. „Unser Ziel ist es, Handlungsempfehlungen für das gesetzlich angebotene Chlamydien-Screening abzuleiten“, sagt Finn Seliger, Versorgungswissenschaftler am CHSR. „Im Erfolgsfall sollen diese zu einer höheren Inanspruchnahme des Chlamydien-Screenings beitragen.“ Darüber hinaus wird bereits während des Projekts die Machbarkeit einer anonymen Kontaktierung der Sexualpartner*innen evaluiert. Das soll zu einer Unterbrechung von Infektionsketten beitragen. Zudem ist eine Übertragung der gewonnenen Erkenntnisse auf andere sexuell übertragbare Erkrankungen denkbar.

Beteiligte Institutionen:

Konsortialpartner sind das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit am UKB, das Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie an der Uniklinik Köln, die DAK-Gesundheit, die Techniker Krankenkasse und das Robert Koch-Institut. Kooperationspartner sind das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi), die AOK Rheinland/Hamburg und das WIR – Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin am Klinikum Bochum. 

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