Eine chronische Nierenerkrankung führt in der Regel zu einer kontinuierlichen Verschlechterung der Nierenfunktion. Ist die Erkrankung weit fortgeschritten, werden die Betroffenen dialysepflichtig, einhergehend mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität auf Seiten der Patientinnen und Patienten sowie hohen jährlichen Kosten für die gesetzliche Krankenversicherung. Eine frühzeitige Vorhersage über die Erkrankung, würde eine frühere, zielgerichtete Behandlung mit einem weniger schwerwiegenden Krankheitsverlauf ermöglichen. „Ziel des Projektes ist es, mithilfe von Routinedaten der gesetzlichen Krankenversicherung und innovativer KI-Methodik Risiken für schwerwiegende Folgeereignisse bei Personen mit chronischer Nierenkrankheit frühzeitig zu bestimmen. Dafür soll ein datenbasierter Prognosescore entwickelt werden, der Ärztinnen und Ärzten sowie Krankenkassen bei der gezielten Steuerung früher Interventionen unterstützt“, sagt Dr. Sebastian Schwab, Oberarzt der Medizinischen Klinik I am Universitätsklinikum Bonn.
Innovative Kombination aus klassischen statistischen Methoden und KI
Das Projekt verfolgt einen zweistufigen Ansatz: Zunächst werden mithilfe von Regressionsmodellen anhand von Krankenkassendaten Risikofaktoren identifiziert, die eine Vorhersage verschiedener Folgeereignisse der Erkrankung, wie beispielsweise Dialysepflicht, akutes Nierenversagen oder Sterblichkeit erlauben. Parallel kommen leistungsstarke KI-basierte Modelle, sogenannte Transformer, zum Einsatz, um neue Risikofaktoren für die CKD zu entdecken. Die Ergebnisse beider Ansätze werden schließlich zu einem Modell kombiniert, das den Prognosescore ermittelt. Begleitend wird eine Kostenanalyse der Versorgungssituation durchgeführt.
Direkter Nutzen für die Versorgungspraxis
Ein auf Krankenkassendaten anwendbarer Prognosescore wäre ein einfaches und effizientes Instrument zur Einstufung von Versicherten mit hohem Risiko für eine CKD. Dadurch könnten Betroffene bereits in frühen Phasen der Erkrankung identifiziert, informiert und frühzeitig bedarfsgerecht versorgt werden.
Starkes Konsortium aus Forschung und Praxis
Die LiKe Healthcare Research GmbH übernimmt in PRED(i)CKD die Konsortialführung. Partner sind die AOK Rheinland/Hamburg, die Hochschule Harz, das Universitätsklinikum Bonn und die Universität Bonn, das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung sowie die Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg.
Das Projekt startete am 1. Januar 2026 und wird aus Mitteln des Innovationsfonds über drei Jahre mit insgesamt circa 1,4 Millionen Euro gefördert (Förderkennzeichen: 01VSF25039).