Universität Bonn

Medizinische Fakultät

Neuberufungen 2025

Neuberufungen 2025

Im Jahr 2025 rief die Medizinische Fakultät folgende Professor*innen an die Universität Bonn:

Prof. Holger Fröhlich

Holger Fröhlich wurde als Professor für Biomedical Data Science an das Institut für Digitale Medizin berufen. Er übernimmt auch eine Position als Leiter der AG KI & Data Science - ab 1.1.26 umbenannt in Abteilung für Biomedical Data Science & AI - am Fraunhofer SCAI. 

Seine Karriere führte ihn zunächst von Marburg - für ein Studium der Informatik mit Schwerpunkt KI - über Tübingen, wo er eine Promotion in Informatik mit einem Thema im Schnittbereich von maschinellem Lernen, Chemieinformatik und Bioinformatik absolvierte. Nach einem Postdoc am DKFZ in Heidelberg wurde er Seniorwissenschaftler bei Cellzome AG, und baute bereits 2010 seine erste Nachwuchsgruppe an der Universität Bonn auf. Von 2015 bis  2019 war er von Bonn aus bei dem globalen Pharmaunternehmen UCB tätig, und baute dort eine Data Science Gruppe auf. 2018 wurde er zum Honorarprofessor in der Informatik ernannt, und 2019 wechselte er zu Fraunhofer und übernahm den Aufbau und die Leitung der AG KI & Data Science im Geschäftsbereich Bioinformatik. 

Prof-Fröhlich
© Bernadett Yehdou

Strukturelle Verbindung von KI-Forschung und Medizin in Bonn

Prof. Fröhlich befasst sich mit der Entwicklung und Anwendung von KI-Algorithmen in der Medizin. Hierbei geht es um die Priorisierung von Zielstrukturen für künftige Medikamentenentwicklungsprogramme, um Präzisionsmedizin, und um die Unterstützung klinischer Studien, beispielsweise durch synthetische Kontrollarme oder durch Emulationsstudien. 

Aus seiner Position in Fraunhofer heraus war es ihm wichtig, eine strukturelle Brücke zur Bonner Medizin zu schlagen. "Wer KI in die medizinische Praxis bringen will, braucht den direkten und auch lokalen Zugang zu Medizinern und Patientendaten. Zusammen mit den anderen Arbeitsgruppen in angewandter Informatik und Statistik haben wir in Bonn die große Chance, ein hochkarätiges, kompetitives und sichtbares Profil im Bereich „KI in der Medizin“ aufzubauen", erklärt Holger Fröhlich. Dieser Fortschritt wird helfen, wichtige Entwicklungen in diesem Bereich voranzutreiben.

Vernetzte Expertise für KI-gestützten medizinischen Fortschritt

Die Arbeit des KI-Forschers wird sich in Bonn entlang dieser Themenkomplexe fortsetzen. Ab Januar wird ein neues EU-Projekt im Rahmen der Innovative Health Initiative zum Thema medikamentöser und nicht-medikamentöser Behandlung von Alzheimer starten, bei dem Prof. Fröhlich die Leitung des KI-Arbeitspaket übernimmt. Ab März kommt ein durch den gemeinsamen Bundesausschuss gefördertes Projekt dazu, zusammen mit dem wissenschaftlichen Institut der AOK, dass sich mit der Entwicklung eines KI-Basismodells befasst. Darüber hinaus freut er sich auf die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen in der medizinischen Fakultät. 

Prof. Fröhlich betont: "KI in der Medizin ist generell ein sehr interdisziplinäres Thema, bei dem man Expertise aus verschiedenen Bereichen bündeln muss, um wirklich Fortschritte zu erzielen. Man braucht neben Informatikern und Medizinern vielfach auch Juristen, Ethiker, Experten für Zulassungsprozesse, sowie Geschäftsleute." Dazu verfügt er über ein weitgespanntes internationales Netzwerk, um die für ein konkretes Projekt relevanten Menschen zusammenbringen zu können. 

Die Arbeit des Forschers umfasst die anwendungsorientierte Methodenentwicklung. Eine konkrete medizinische Fragestellung erfordert häufig, sich mit der Neuentwicklung oder Weiterentwicklung eines bestimmten Algorithmus zu befassen, weil existierende Verfahren ungeeignet erscheinen. Die methodischen Bereiche, in denen sich seine Forschung bewegt, können unter den Rubriken Hybride KI, Generative Zeitreihenmodellierung, multimodale Datenfusion und kausales maschinelles Lernen zusammengefasst werden. Dabei setzt er gemeinsam mit seinem Team modernste Algorithmen und Architekturen neuronaler Netze ein, welche bei Bedarf weiterentwickelt werden.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© privat

Prof. Ahmad Aziz

Prof. Ahmad Aziz hat eine gemeinsame Professur des UKB und DZNE angetreten. Im Rahmen dessen wird sich der Neurologe, Neurobiologe, und Epidemiologe mit der Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen befassen, unter Anwendung tiefer endo-phänotypischer Daten aus Kohortenstudien. Tätig ist er ebenfalls als Facharzt für Neurologie an der Klinik für Parkinson, Schlaf- und Bewegungsstörungen des UKBs.

Mit seiner Forschungsgruppe möchte Prof. Aziz unter seiner neuen Professur die Risikofaktoren, Ursachen und Marker neurodegenerativer Erkrankungen identifizieren. Zurückgreifen wollen sie dabei vor allem auf Daten, die im Rahmen bevölkerungsbezogener und klinischer Kohortenstudien gewonnen wurden, insbesondere in der Bonner Rheinland-Studie. Längsschnittstudien wie diese, mit tiefgreifenden endo-phänotypischen Daten, sieht Prof. Aziz als besonders wertvoll in der Prävention und medizinischen Forschung. Er betont: „Die schnell wachsenden Datensätze der Rheinland-Studie, sowohl hinsichtlich der Anzahl der teilnehmenden Personen als auch hinsichtlich der großen Bandbreite und Vielfalt der gesammelten Datentypen bilden eine einzigartige und unschätzbare Ressource, die für viele zukünftige interdisziplinäre Forschungsprojekte genutzt werden könnte“. Mit Rückgriff auf diese Ressourcen möchte sich Prof. Ahmad Aziz drei Forschungszielen widmen.

Forschungsziele im Bereich neurodegenerativer Erkrankungen

Einer der Schwerpunkte, die der Neurowissenschaftler in seiner gegenwärtigen wissenschaftlichen Arbeit betont, ist die Erforschung von Tandem Repeats im Zusammenhang mit neurogenomischer somatischer Instabilität und Neurodegeneration. Der renommierte Forscher betont, dass neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz weltweit zu erheblichen Belastungen führen, und die zugrunde liegenden genetischen Mechanismen nur teilweise verstanden seien. Neue Hinweise aus seltenen Repeat-Expansionskrankheiten zeigen, dass verlängerte repetitive DNA-Sequenzen, sogenannte „Tandem-Repeats“ (TRs), eine somatische Instabilität in neuronaler DNA auslösen können. Wie Prof. Aziz formuliert: „TRs könnten dadurch molekulare Veränderungen einleiten, die zur neuronalen Degeneration führen “.  Im Mittelpunkt der aktuellen Forschung steht daher die systematische Analyse dieser TRs, ihrer Instabilität und ihrer Auswirkungen auf neuronale Netzwerke. 

Ebenso fokussiert sich seine Forschung darauf, die neuroanatomischen Grundlagen der Motorik über die Lebensspanne aufzuklären. Die Verschlechterung der motorischen Funktion gilt als ein frühes Merkmal vieler neurodegenerativer Erkrankungen, weshalb die Erforschung dieser besonders bedeutsam für die frühe Erkennung neurodegenerativer Erkrankungen, und der Entwicklung präventiver und therapeutischer Strategien ist. 

Der dritte Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Hypothalamischen Dysfunktion als Treiber des altersbedingten kognitiven Rückgangs. Der Hypothalamus ist ein zentrales homöostatisches Steuerorgan, dessen mögliche Rolle als Risikofaktor oder Marker für kognitiven Abbau bisher kaum untersucht wurde. Deshalb entwickelt die Fosrchungssgruppe ein automatisiertes Verfahren für MRT-Daten, um die Integrität hypothalamischer Strukturen zu analysieren und ihren Zusammenhang mit kognitiver Leistung in der Rheinlandstudie zu erfassen.

Zur Karrierelaufbahn

Prof. Aziz ist ein renommierter Wissenschaftler. Ausgezeichnet wurde er unter anderem bereits mit dem Young Talent Award der Dutch Society for Neuroscience, dem Marie-Sklodowska Curie Individual Fellowship und einem ERC Starting Grant der Europäischen Union.

Nach seinem Studium an der Universität Leiden, legte er eine gemeinsame Promotion in Neurowissenschaften und Neuroendokrinologie am Netherlands Institute of Neuroscience und am Leiden University Medical Center ab. In London absolvierte er eine zusätzliche klinische Ausbildung, betrieb Forschung in neurogenetischen und Bewegungsstörungen am UCL Institute of Neurology, sowie am National Hospital for Neurology and Neurosurgery. In 2018 entschied sich Prof. Aziz, seine Karriere in Bonn fortzusetzen. Seitdem übernimmt er Aufagben als Leitung der Forschungsgruppe „Population & Clinical Neuro-epidemiologogy“ am DZNE, und beratender Neurologe in der Abteilung für Neurologie des Universitätsklinikums Bonn. Im Rahmen der gesamten Professur blickt Prof. Aziz der weiteren Arbeit am DZNE und UKB erwartungsfroh entgegen. „Die exzellente interdisziplinäre Forschungsinfrastruktur am DZNE, einschließlich des Zugriffs auf Daten der Rheinland Studie, und die enge Zusammenarbeit mit der Universität  sind für mich sehr wertvoll“, betont er.

Prof. Tongtong Wang

Seit diesem Jahr leitet Prof. Tongtong Wang als W1-Tenure-Track-Professorin die Forschungsgruppe Energiehomöostase am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Bonn. In Bonn wird sie ihre Expertise in der Biologie des Fettgewebes und der Stoffwechselregulation einbringen.

Ein Karriereweg in der Stoffwechselforschung

Prof. Wang konnte als Wissenschaftlerin bereits einige bedeutende Erfolge in ihrem Forschungsgebiet verzeichnen. Sie promovierte an der ETH Zürich, wo sie durch die Identifikation einer neuartigen thermogenen Adipozytenpopulation wichtige Erkenntnisse zur funktionellen Heterogenität des Fettgewebes machte. Hierbei handelt es sich um eine neuartige thermogene Zellpopulation, die das Verständnis über Energieverbrauch grundlegend veränderte. Anschließend arbeitete sie an der ETH Zürich als Postdoktorandin und später als Senior Scientist sowie als Visiting Scholar an der Princeton University. Dort war sie maßgeblich an der Weiterentwicklung räumlicher metabolomischer Technologien zur stoffwechselbezogenen Gewebekartierung beteiligt. 

Prof. Tongtong Wang
© privat

Zu den bedeutendsten Arbeiten Prof. Wang´s gehört die in Cell Metabolism (2024) veröffentlichte Entdeckung der Substratzyklus-Adipozyten. Ihre Entdeckungen in diesem Gebiet trugen zu richtungsweisenden Erkenntnissen über die Thermogenese-Mechanismen im Fettgewebe über den kanonischen UCP1-abhängigen Signalweg bei. Prof. Wang‘s aktuelle Forschung befasst sich mit einer grundlegenden Frage im Bereich der Stoffwechselerkrankungen: Wie geht das Fettgewebe während des Fortschreitens der Fettleibigkeit von einem gesunden in einen dysfunktionalen Zustand über, wenn seine Energiehomöostase gestört ist? Ihre Arbeit bietet neue therapeutische Ansätze für die Behandlung von Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zudem arbeitet sie an systematischer Kartierung der Gewebeorganisation und Identifizierung kausaler molekularer Mechanismen. 

In ihrer Forschung setzt Prof. Tongtong Wang innovative räumliche multimodale Technologien ein, um mit bisher unerreichter Auflösung an Fettgewebe zu forschen. Ihr Ziel ist es,  mithilfe der Kombination mehrerer fortgeschrittener integrierter Plattformen die kritischen molekularen Regulatoren bei Fettleibigkeit und Energiehomöostase zu identifizieren. "Solche  methodischen Fortschritte ermöglichen Innovation durch eine umfassende molekular-räumliche Kartierung innerhalb der Struktur des  Fettgewebes", erklärt Prof. Wang.

Ideale Bedingungen in Bonn

An der Universität Bonn und am Universitätsklinikum Bonn (UKB) hat Prof. Wang ideale Bedingungen für ihre wissenschaftliche Arbeit gefunden. Das UKB biete hervorragende klinische Ressourcen und Zugang zu Patientenkohorten,  die für die translationale Stoffwechselforschung von großem Wert seien. Besonders schätzt die Wissenschaftlerin die enge Zusammenarbeit mit herausragenden klinischen Forschenden, die produktive Partnerschaft zwischen Medizin, Biologie und Computational Sciences fördert. Ihr Forschungsprogramm wird ihr auch durch die exzellente Infrastruktur der Core Facility ermöglicht. Das kollaborative Umfeld, der Zugang zu modernsten Technologieplattformen und die strategische Positionierung innerhalb einer Exzellenzuniversität schaffen für ihre Forschung optimale Voraussetzungen. Mit ihrer Expertise in den Bereichen Raumbiologie, Einzelzellgenomik und Stoffwechselregulation, sowie ihrer Arbeit an der Universität Bonn bereichert Prof. Tongtong Wang die Fettgewebeforschung und trägt zum weiteren Verständnis von Stoffwechselerkrankungen bei.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© privat

Prof. Enzo Lüsebrink

Prof. Enzo Lüsebrink wurde mit der W2 Professur mit Schwerpunkt kardiovaskuläre Intensivmedizin und interventionelle Kardiologie an die medizinische Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Bonn berufen. Er war zuletzt Leiter der Arbeitsgruppe Kardiovaskuläre Interventions- und Intensivmedizin an der LMU Klinik München. Mit dem Ruf nach Bonn kehrt er zurück an die Fakultät und das UKB, wo er auch seine Studienzeit und humanmedizinische Promotion absolvierte.

Im Zentrum seiner Forschung stehen unter anderem die pathophysiologischen Mechanismen, Diagnostik und Therapie des kardiogenen Schocks aller Ätiologien, akuter Koronarsyndrome und kardiovaskulärer Komplikationen bei kritisch kranken Patientinnen und Patienten, sowie die Arbeit an translationalen Projekten, die grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse unmittelbar in die klinische Anwendung überführen.

Neue Netzwerke und innovative Methoden

In Bonn hat sich Prof. Lüsebrink neben der Leitung eines eigenständigen Forschungsschwerpunktes und der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses auch zum Ziel gesetzt, den Standort Bonn in der kardiovaskulären Intensivmedizin und interventionellen Kardiologie weiter zu profilieren. "Das übergeordnete Ziel ist Bonn als eines der führenden europäischen Zentren für kardiovaskuläre Intensivmedizin und interventionellen Kardiologie zu etablieren, das klinische Versorgung, Forschung und Ausbildung auf höchstem Niveau vereint.", erklärt er. Besonders Forschungsfragen wie die Optimierung der mechanischen Kreislaufunterstützung, der Behandlung der Hochrisiko-Lungenarterienembolie und fulminanter Myokarditis und die Weiterentwicklung von Reanimationsstrategien sollen so künftig im Rahmen eines stärkeren internationalen Forschungsnetzwerkes adressiert werden. Dazu strebt Prof. Lüsebrink den Aufbau eines leistungsfähigen, interdisziplinären Teams an.

Der Wissenschaftler wird in Bonn auch die Arbeit an innovativer und internationaler Forschung in der Kardiologie voranbringen. Die Arbeit an klinischen Studien möchte Prof. Lüsebrink durch Integration innovativer Forschungsmethoden bewältigen. Beispielsweise soll die Langzeitforschung durch Einsatz von Wearables, Sensorik und App-basierten Nachsorgesystemen langfristig verbessert werden. Durch solch neue Ansätze können die Langzeitverläufe und die Lebensqualität intensivmedizinisch behandelter Patientinnen und Patienten systematisch erfasst werden, erklärt er.

Zum Einsatz kommen auch innovative Omics-Technologien zur Identifikation neuer Biomarker und pathophysiologischer Mechanismen, sowie maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz. "Diese Ansätze sollen dazu beitragen, die kardiovaskuläre Intensivmedizin und interventionellen Kardiologie in Bonn als richtungsweisenden Standort für translationale Spitzenforschung zu positionieren.", erläutert Prof. Lüsebrink. Die enge Verzahnung von Forschung und klinischer Tätigkeit gewährleistet so die unmittelbare Translation wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Patientenversorgung. 

Vorteile des Standortes Bonn

Besonders schätzt Prof. Lüsebrink am Bonner Standort die hervorragenden strukturellen Voraussetzungen für seine Forschung, die enge Verknüpfung mit mit den Partnerkliniken wie z.B. der Herzchirurgie und Anästhesiologie, und die moderne Forschungsinfrastruktur mit leistungsfähigen Core Facilities. "Die enge Verknüpfung zwischen universitärer Forschung, translationaler Medizin und klinischer Exzellenz sowie das internationale Umfeld der Stadt Bonn schätze ich als idealen Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung meiner wissenschaftlichen Arbeit", lobt Prof. Lüsebrink. Mit seiner klinischen und wissenschaftlichen Expertise stärkt er die kardiovaskuläre Forschung am Standort Bonn und setzt wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der kardiovaskulären Intensiv- und Interventionsmedizin.

Prof. Şevin Turcan

Şevin Turcan wurde zum September 2025 auf die W2-Professur für Experimentelle Neuroonkologie im Zentrum für Neurologie am Universitätsklinikum Bonn berufen. Die Wissenschaftlerin war nach ihrem Biomedical Engineering Studium an der Johns Hopkins University, und der Tufts University, zuletzt als Leiterin der Max Eder Forschungsgruppe am Universitätsklinikum Heidelberg tätig. Nun hat sie sich für einen Wechsel nach Bonn entschieden, wo sich ihre Forschungsaufgaben durch Kombination von neurobiologischer Forschung und Methoden der mathematischen Modellierung der Bildung von Hirntumoren widmet.

Prof. Şevin Turcan
© Bernadett Yehdou

In ihrer Forschung konzentriert sich Prof. Turcan auf die Frage, wie Hirntumoren entstehen, sich im Gehirn ausbreiten, und Therapieresistenz entwickeln. Hirntumoren sind laut der Neurowissenschaftlerin aufgrund ihrer Infiltration und Therapieresistenz schwer zu behandeln. Ein besonderer Fokus liegt auf der Erforschung von Gliomen. "Meine Arbeitsgruppe wird sich darauf konzentrieren, wie Gliome sich in das Gehirnökosystem integrieren und es ausnutzen, sowie auf die Dynamik von Zellzuständen und Plastizität, die Wachstum, Invasion und Therapieresistenz antreiben", erklärt Prof. Turcan. So vertiefen sie und ihr Team Projekte zu Mikroglia, um zu verstehen, wie Tumoren das immunologische Mikroumfeld umgestalten, und wie sich dieser Prozess therapeutisch umkehren lässt. Darüber hinaus soll die Arbeit an Methoden der Intervention, wie die tierexperimentellen Modelle des Mausgehirns, im Fokus stehen, und biomarkergestützte wie zustandsinformierte Intervention,  die auf zellulären Zustandsprofilen basieren, vorangetrieben werden.

Um diesen Fragen nachzugehen, verbinden Prof. Turcan und ihr Team neurobiologische und datenbasierte Ansätze, greifen auf Methoden der mathematischen Modellierung zurück, und entwickeln Computermodelle zur Erfassung des Mikroglia-Tumor-Dialogs. Zu ihren Methoden gehören die Arbeit an Single-Cell- und Spatial-Multi-Omics, funktionelle Genomik, und epigenetische Profilierung, sowie Whole-Brain-Imaging mittels Light-Sheet-Fluoreszenzmikroskopie (LSFM) inklusive zugehöriger computergestützter 3D-Bildanalyse- und Modellierungsansätze. Prof. Turcan plant dafür eine fachübergreifende und umfangreiche Zusammenarbeit mit Teams aus der Neurowissenschaft, Data Science, und der klinischen Neurologie. " Besonders freue ich mich auf die enge Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen im gesamten Zentrum, um gemeinsame Projekte zu starten, Kernexpertise zu teilen und die Translation zu beschleunigen", erklärt sie.

Für Prof. Turcan bietet das UKB ein wissenschaftlich ideales Umfeld: Die Vereinigung verschiedener Stärken der Exzellenzuniversität, wie die unmittelbare Nähe zwischen Klinik, Grundlagenforschung und quantitativen Disziplinen, und die hervorragende technische Infrastruktur ermöglichen ihr die Erforschung biologischer Fragestellungen mit mathematischer und quantitativer Präzision. "Das UKB vereint exzellente Neurowissenschaften, vielfältige Forschungsprogramme und starke Data-Science-Kompetenzen - ein ideales Ökosystem, um Biologie und Mathematik zusammenzuführen", lobt Prof. Şevin Turcan. Besonders freut es sie, Teil des dynamischen, kooperativen und wachsenden Zentrums für Neurologie zu werden.

Neben der Forschungsaufgabe wird sich Prof. Turcan ebenfalls der Forschung und Lehre, dem Aufbau interdisziplinärer Kooperationen, und der Übersetzung präklinischer Befunde in klinisch relevante Hypothesen widmen. Auch die Betreuung von Studierenden und Förderung einer umfangreichen Ausbildung ist ihr  ein besonderes Anliegen. Prof. Turcan‘s Berufung erweitert das wissenschaftliche Profil des Zentrums für Neurologie und trägt zur weiteren Vernetzung biologischer und quantitativer Ansätze bei.

Prof. Johannes Brägelmann
© Universität Bonn/Martin Magunia

Prof. Johannes Brägelmann

Univ.-Prof. Dr. Johannes Brägelmann verstärkt als W2-Professor für Translationale Onkologie die Medizinische Klinik und Poliklinik III für Onkologie, Hämatologie und Rheumatologie und damit den wissenschaftlichen Fokus auf die datengetriebene, personalisierte Krebsmedizin am UKB. Sein Ziel ist es, eine translationale Brücke zwischen komplexen genomischen Daten und der klinischen Patientenversorgung zu schlagen. Außerdem strebt er an, ein Forschungsprogramm aufzubauen, das sich dem Verständnis und der Überwindung von Therapieresistenz widmet. Für Prof. Brägelmann ist der Ruf auf die Professur eine Rückkehr an seine Alma Mater. Sein Weg zum Arzt und Wissenschaftler umfasste unter anderem Forschungsaufenthalte an der University of Chicago, einen Master-Abschluss in Biostatistik an der Universität Heidelberg und zuletzt die Leitung einer erfolgreichen, von der Deutschen Krebshilfe geförderten Nachwuchsgruppe an der Mildred Scheel School of Oncology in Köln.

Therapieresistente Krebserkrankungen wieder verwundbar machen

„Krebs ist keine statische Erkrankung. Tumore entwickeln sich ständig weiter, um zu überleben“, sagt Prof. Brägelmann, der diese evolutionären Prozesse nutzen will, um akkuratere Therapien zu entwickeln. Tumore bestehen aus einer heterogenen Population von Zellen, die Krebszellen und z.B. auch Immunzellen umfasst. Wenn ein Patient behandelt wird, wirkt die Therapie wie ein starker Selektionsdruck, der die meisten Krebszellen eliminiert. Jedoch können einige wenige Krebszellen die Behandlung überleben, indem sie die Therapie tolerieren und ohne zu wachsen z.T. Monate und Jahre überdauern. Diese so genannten „drug-tolerant persister cells“ können sich anpassen und vermehren und so langfristig Rezidive der Krebserkrankung in einer aggressiveren, therapieresistenten Form verursachen. Dieser Prozess wird als „klonale Evolution“ bezeichnet und verändert sowohl die Tumorzellen als auch deren Interaktion mit dem Immunsystem.

„Wir fokussieren uns darauf, die ‚Fluchtwege‘ zu verstehen, die diese Persistenzzellen zum Überleben nutzen“, erläutert Prof. Brägelmann. „Mithilfe datengestützter Biologie und funktioneller Genomik können wir diese evolutionären Entwicklungen in unseren Experimenten und in Patientenproben nachverfolgen. Das Ziel besteht darin, die spezifischen Schwachstellen, sowie neue Sensitivitäten in den resistenten Zellen zu identifizieren, bevor sie ein klinisches Rezidiv verursachen können. Indem wir vorhersagen, wie sich der Krebs anpasst wollen wir Kombinationstherapien entwickeln, die seine Evolution von vornherein blockieren.“

Die Lücke zwischen experimentellen Daten und Patientenbehandlung schließen

Gemeinsam mit seinem Team möchte Prof. Johannes Brägelmann diese komplexen, datengetriebenen Erkenntnisse direkt in klinische Strategien übersetzen. „Als Arzt und Wissenschaftler mit Ausbildung in Medizin und Biostatistikmöchte ich den Kreislauf zwischen computergestützten Analysen, experimentellen Befunden und der Klinik zu schließen“, sagt Prof. Brägelmann. „Unser langfristiges Ziel ist es, neue Behandlungsstrategien zu identifizieren, die das Leben unserer Krebspatientinnen und -patienten verbessern.“

Prof. Brägelmann kehrte gerne nach Bonn zurück, angezogen vom exzellenten klinischen Umfeld und dem starken Forschungsschwerpunkt. „Die enge Zusammenarbeit mit der Klinik, dem Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) und dem Exzellenzcluster ImmunoSensation² bietet die ideale Plattform, um innovative, datengetriebene Therapien zu entwickeln, die unseren Patientinnen und Patienten direkt zugutekommen.“ Er bringt umfangreiche Expertise aus großen Forschungskonsortien mit, darunter eine Führungsrolle im SFB1399-Konsortium und Mitgliedschaften in der präklinischen Plattform des nationalen Netzwerks Genomische Medizin (nNGM) und dem „Cancer Targeting“-Konsortium CANTAR sowie ein weitreichendes Netzwerk nationaler und internationaler Partner.

In seiner Freizeit ist der verheiratete Vater eines Kindes begeisterter Bergsteiger, Musikliebhaber und langjähriges Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Berg- & Expeditionsmedizin.

Prof. Kaan Boztug

Prof. Dr. Kaan Boztug leitet die neu gegründete Klinik für Pädiatrische Immunologie und Rheumatologie am Universitätsklinikum Bonn (UKB). Der 47-jährige Experte für seltene Erkrankungen des Immunsystems und der Blutbildung will dort ein Zentrum für angeborene Immundefekte mit Diagnostik und Behandlung bis hin zu Immun- und Stammzelltherapien etablieren. Im Rahmen seiner ERC-Grant-geförderten Forschung hat er über 20 Immundefekte erstmals beschrieben und die zugrundeliegenden Krankheitsmechanismen entschlüsselt. Prof Boztug kommt frisch aus Wien, wo er unter anderem als Direktor des Ludwig Boltzmann Instituts für seltene und undiagnostizierte Krankheiten, Oberarzt am St. Anna Kinderspital und als Wissenschaftlicher Direktor der St. Anna Kinderkrebsforschung tätig war.

Prof. Kaan Boztug
© Universitätsklinikum Bonn (UKB) / Rolf Müller

Es gibt eine Vielzahl angeborene Störungen des Immunsystems, mit jedoch hoher Schwankungsbreite möglicher Infektionen. „Die Kunst ist zu erkennen, wann bei Kindern mit Infektionen oder auch Autoimmunerkrankungen ein Verdacht besteht, dass tatsächlich ein angeborener Immundefekt zugrunde liegen könnte“, sagt Prof. Boztug. Fast alle sind seltene Erkrankungen, für die moderne Therapien maßgeschneidert entwickelt werden können. Dabei setzt er unter anderem auf eine sehr enge Vernetzung mit der Pädiatrischen Hämatologie und Onkologie sowie den anderen pädiatrischen Fachbereichen am Eltern-Kind-Zentrum (ELKI) des UKB. „Immunologie ist ein zentrales Fach. In den letzten Jahren haben wir immer besser verstanden, dass sich beispielsweise hinter frühkindlichen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ein Immundefekt verbergen kann, oder auch, dass ein Teil der Immundefekte mit einem Risiko zur Entwicklung von Tumoren einhergeht. Deshalb ist hier die interdisziplinäre Vernetzung von entscheidender Wichtigkeit“, sagt Prof. Boztug, der eine langjährige klinische Erfahrung in der Pädiatrie mit Schwerpunktsausbildung in Immunologie sowie Hämatologie und Onkologie mitbringt. Auch mit dem Zentrum für Seltene Erkrankungen (ZSEB), wo er ein Schwerpunktprogramm für angeborene Immundefekte aufbauen wird, sieht er enge Interaktionsmöglichkeiten sowie mit der Rheumatologie beim Übergang von der Kinder- zu der Erwachsenen-Medizin.

Wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen

Etwa 3.000 Gene sind für das menschliche Immunsystem verantwortlich. „Die Schlüsselfrage, welches Gen für ein bestimmtes Merkmal maßgeblich ist, beantworten uns in der Regel die Betroffenen selbst“, sagt Prof. Boztug. „Denn wenn ein Gen bei einer Person mutiert ist und dies sich negativ auswirkt, dann ist es offenbar essentiell und somit relevant für die Diagnostik und Behandlung der Erkrankung.“ Im Rahmen der Diagnostik und Forschung zu angeborenen Störungen des Immunsystems wird er besonders intensiv mit der Humangenetik am UKB kooperieren.

Für sein Fach hat der pädiatrische Immunologe folgenden Traum: Besser zu verstehen, wie Immundefekte entstehen und welche Umwelteinflüsse dabei eine Rolle spielen. Mit diesem Wissen möchte er bessere Therapien entwickeln: „Kann man das für den Immundefekt verantwortliche Gen oder das zugehörige Protein derart modulieren, dass wir die Störung der Immunfunktion korrigieren oder zumindest abmildern können?“

Erstklassige Immunforschung als Magnet für Bonn

Das Exzellenzcluster ImmunoSensation2 der Universität Bonn ist ein besonderer Anreiz für Prof. Boztug: „Das zukunftsorientierte Forschungscluster war eine große Motivation für meine Entscheidung nach Bonn zu kommen und ich freue mich als neues Mitglied die Forschung an immun-abhängigen Erkrankungen entsprechend mitgestalten zu können.“ Zusätzlich ist es für Prof. Boztug, der etwa 80 Kilometer entfernt von Bonn aufgewachsen ist, auch eine Art Heimspiel. „Die offene und freundliche rheinische Art bin ich gewohnt und erleichtert auch die ersten Tage in meiner neuen Schaffenswelt.“

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© Universitätsklinikum Bonn (UKB)/R. Müller

Prof. Anne-Katrin Pröbstel

Das Universitätsklinikum Bonn (UKB) freut sich, Prof. Anne-Katrin Pröbstel als neue Direktorin der Klinik für Neuroimmunologie vorzustellen. Sie leitet mit Prof. Ulrich Herrlinger, dem Direktor der Klinik für Neuroonkologie, als geschäftsführende Direktorin das übergeordnete Zentrum für Neurologie. Mit ihrer internationalen klinischen Erfahrung und herausragenden wissenschaftlichen Expertise verstärkt sie das UKB als eines der führenden Zentren für Neuroimmunologie in Deutschland und optimiert weiter die Versorgung für Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen wie Multipler Sklerose.

Die Klinik für Neuroimmunologie im Zentrum für Neurologie des UKB widmet sich der Diagnose und Therapie autoimmuner neurologischer Erkrankungen sowie der Neurointensivmedizin im Rahmen der interdisziplinären Neuro-Intensivstation (NICU). Neuroimmunologische Erkrankungen können verschiedene Teile des Nervensystems betreffen, darunter Gehirn, Rückenmark und peripheres Nervensystem, und eine Vielzahl von Symptomen verursachen. Behandelt werden sowohl autoimmune Erkrankungen des peripheren Nervensystems, wie chronisch inflammatorisch demyelinisierende Polyneuropathien (CIDP), als auch Erkrankungen des zentralen Nervensystems, darunter Multiple Sklerose (MS), Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD), MOG-Antikörper-assoziierte Erkrankung (MOGAD), autoimmune Enzephalitis, Neurosarkoidose und Neurolupus. MS ist eine der häufigsten chronischen neurologischen Erkrankungen bei jungen Erwachsenen. Sie betrifft vor allem Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren und in Deutschland sind mehr als 250.000 Menschen betroffen.

Wissenschaftlicher Werdegang

Prof. Anne-Katrin Pröbstel stammt ursprünglich aus der Nähe von Frankfurt und ist mit erst 38 Jahren eine der jüngsten Klinikdirektorinnen Deutschlands. Sie absolvierte ihr Medizinstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München mit Auslandssemestern in Boston und Paris und promovierte zeitgleich am Max-Planck-Institut für Neurobiologie, wo sie zur MS forschte und neue Antikörper entdeckte. Während Aufenthalten in New York und Sydney vertiefte sie ihr Wissen über entzündliche Erkrankungen des Nervensystems. Ihr wissenschaftliches Interesse gilt u.a. den Mechanismen der MS und verwandter neuroimmunologischer Erkrankungen und der Frage, warum sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet und Myelinscheiden in Gehirn und Rückenmark Schaden nehmen.

Nach ihrem Medizinstudium führte sie ihre Facharztausbildung in Neurologie und wissenschaftliche Arbeit an einem der größten MS-Zentren am Universitätsspital Basel fort. Mit einem Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) sowie der amerikanischen MS Gesellschaft verbrachte sie drei Jahre an der University of California, San Francisco, wo sie sich mit der Rolle von Darmbakterien in Entzündungsprozessen beschäftigte. Zurück in Basel baute sie als Leitende Ärztin und SNF Eccellenza Professorin die Enzephalitis-Ambulanz (zur Behandlung von Entzündungen des Gehirns) sowie ihre Forschungsgruppe auf.

Neuroimmunologisches Exzellenzzentrum UKB

Prof. Pröbstels besondere Leidenschaft liegt in der Verbindung von Forschung und Patientenversorgung, was sie nach Bonn führte. Am UKB wird sie das immunologische und neurowissenschaftliche Exzellenzzentrum weiter ausbauen und die immunologische Untersuchung von Patientenproben intensivieren. „Es ist mir eine große Ehre, als geschäftsführende Direktorin das Zentrum für Neurologie und die Klinik für Neuroimmunologie am Universitätsklinikum Bonn zu leiten. Mit meiner Expertise in der neuroimmunologischen Forschung und neurologischen Patientenversorgung strebe ich an, gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen neue Impulse zu setzen und die Behandlungsmöglichkeiten für autoimmune Erkrankungen des Nervensystems weiter zu verbessern. Das UKB bietet mir in räumlicher Nähe zum Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) die ideale Plattform, um innovative Therapien zu entwickeln, die bei den Patientinnen und Patienten ankommen und in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit die medizinische Zukunft zu gestalten.“

Ausbau von Ambulanzen und innovativen Therapien

Prof. Pröbstel setzt auf den Ausbau von Ambulanzen sowie die Errichtung einer Tagesklinik, die voraussichtlich bis 2026 am Zentrum für Neurologie des UKB realisiert werden soll. Geplant sind zudem Spezialsprechstunden für seltene neuroimmunologische Erkrankungen wie MOGAD, NMOSD, rheumatische Erkrankungen wie Neurolupus sowie entzündliche Neuropathien. Ein interdisziplinäres klinisches immunologisches Board wird etabliert, um eine enge Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Fachdisziplinen zu fördern. Die Neuroimmunologie-Expertin setzt dabei auf Kooperationen u.a. mit der Neuroradiologie, der Psychiatrie, der Neurochirurgie, der Augenklinik, der Kinderklinik, der Klinik für Innere Medizin und der Rheumatologie des UKB. Zudem wird sie Studien zu neuen Therapieansätzen, einschließlich der Erforschung von Darmbakterien und CAR-T-Zelltherapien, die bisher in der Krebstherapie eingesetzt werden, umsetzen und regelmäßige Patienteninformationsveranstaltungen anbieten. U. a. wird sie am 22. Mai im Rahmen des UKB Patientenkolloquiums über das Thema „Entzündung der Nerven und des Gehirns“ informieren.

Innovative Forschungsansätze für neue Therapien

„Unsere Vision ist es, die Neurologie und Neuroimmunologie am UKB zukunftsorientiert weiterzuentwickeln und sowohl in der klinischen Praxis als auch in der Forschung Maßstäbe zu setzen. Durch interdisziplinäre Kooperationen und innovative Forschungsansätze, wie die Untersuchung von Darmbakterien und CAR-T-Zelltherapien, möchten wir eine ganzheitliche und zukunftsorientierte Versorgung für unsere Patientinnen und Patienten gewährleisten.“ Mit ihrem Wechsel zum UKB bringt Prof. Pröbstel nicht nur ihre beeindruckende Expertise, sondern auch ihre Vision für eine interdisziplinäre und international vernetzte Neurologie und Neuroimmunologie mit. Ihr Ziel ist es, durch innovative Forschung und exzellente klinische Versorgung neue Maßstäbe in der Behandlung neurologischer Erkrankungen zu setzen.

Prof. Dr. Richard Wierichs

Nach mehreren Jahren in der Schweiz kehrt er an seine alte Wirkungsstätte zurück: Prof. Richard Wierichs, MHBA, hat die Leitung der neu strukturierten Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie am Universitätsklinikum Bonn (UKB) übernommen. Der 38-jährige Zahnmediziner folgt auf Prof. Dr. Dr. Dr. Søren Jepsen, MS und wurde zugleich auf den Lehrstuhl für Zahnerhaltung und Parodontologie der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn berufen.

Der international anerkannte Experte für minimalinvasive und präventionsorientierte Zahnheilkunde bringt umfassende klinische und wissenschaftliche Erfahrung mit. Zuletzt war er als Oberarzt an den Zahnmedizinischen Kliniken der Universität Bern tätig, wo er 2020 habilitierte und 2023 zum assoziierten Professor ernannt wurde. Zuvor arbeitete er mehrere Jahre an der Klinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Präventive Zahnheilkunde der RWTH Aachen, wo er auch ein Rotationsstipendium an der NRW-Schwerpunktprofessur „Biohybrid & Medical Textiles“ absolvierte.

Prof-Wierichs
© Universitätsklinikum Bonn (UKB) / Rolf Müller

„Für mich ist die Rückkehr nach Bonn etwas ganz Besonderes“, sagt Prof. Wierichs. „Hier habe ich studiert, promoviert und meine Leidenschaft für die Zahnerhaltung entdeckt. Nun die Klinik für Zahnerhaltung und Parodontologieleiten zu dürfen, bedeutet für mich nicht nur einen beruflichen Meilenstein, sondern auch eine Rückkehr an meine zahnmedizinische Heimat.

Forschung und Versorgung Hand in Hand

Seine klinischen Schwerpunkte liegen in der minimal-intervenierenden Behandlung von Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen – von der Kinderzahnmedizin über moderne Wurzelbehandlungen bis hin zu ästhetischen und parodontalen Therapien. Wissenschaftlich widmet sich Prof. Wierichs insbesondere der Kariologie des höheren Lebensalters, der Prävention und Inaktivierung von Wurzelkaries sowie der praxisorientierten Versorgungsforschung.

„Mich interessiert, wie wir wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in den Praxisalltag überführen können“, erklärt der neue Klinikdirektor. „Wir wollen Therapien entwickeln, die schonender, langlebiger und individueller auf die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten sind – und damit die Mundgesundheit nachhaltig verbessern.“

Ein Beispiel für diesen Anspruch ist das von ihm mitbegründete Berner Praxisnetzwerk für Versorgungsforschung, das klinische Fragestellungen in realen Praxissituationen untersucht und so die Brücke zwischen Forschung und Patientenversorgung schlägt.

Neue Impulse für die Bonner Zahnerhaltung

Für die Zukunft der Bonner Poliklinik setzt Prof. Wierichs auf einen klaren Kurs: Prävention, Digitalisierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Er möchte den bestehenden Schwerpunkt in der Parodontologie weiter ausbauen und zugleich die Kinder- und Jugendzahnmedizin sowie die praxisnahe Forschung stärken.
„Mein Ziel ist es, die Klinik als Ort zu gestalten, an dem Forschung, Lehre und Patientenversorgung eng verzahnt sind“, betont Wierichs. „Wir wollen evidenzbasierte, nachhaltige und patientenorientierte Therapiekonzepte anbieten – und gleichzeitig den zahnmedizinischen Nachwuchs bestmöglich ausbilden und auf die zukünftigen Herausforderungen in Klinik und Forschung vorbereiten.“

Die Studentinnen und Studenten sollen von Anfang an lernen, die Mundhöhle nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit der allgemeinen Gesundheit zu betrachten. Damit knüpft der gebürtige Münsterländer auch an das Verständnis seines Vorgängers an und möchte dazu beitragen, die Zahnmedizin in Richtung einer „Oralen Medizin“ weiterzuentwickeln.

Darüber hinaus setzt sich der neue Direktor für eine umfassende Modernisierung und Digitalisierung der Klinik ein. Neben der Umsetzung gesetzlicher Anforderungen wie der elektronischen Patientenakte sollen neue digitale Workflows die Abläufe für Patientinnen, Patienten und Mitarbeitende spürbar verbessern.

Zur Person

Prof. Dr. Richard Wierichs, MHBA, wurde 1987 in Nordrhein-Westfalen geboren und studierte Zahnmedizin an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, wo er auch promovierte. Nach Stationen in freier Praxis, an der RWTH Aachen und der Universität Bern erhielt er 2025 Rufe auf die Lehrstühle für Zahnerhaltung an den Universitätsklinika Düsseldorf (abgelehnt) und Bonn (angenommen).
Er ist Träger mehrerer wissenschaftlicher Preise, darunter des Basil G. Bibby Young Investigator Award der International Association for Dental Research (IADR) sowie des Dental Innovation Award.

Der zweifache Familienvater lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern wieder in Bonn. In seiner Freizeit läuft er gerne am Rhein entlang – auf derselben Brückenrunde, die ihn schon als Student begleitet hat.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© Universitätsklinikum Bonn (UKB)/ Rolf Müller

Prof. Dr. Martina C.  
Herwig-Carl

Prof. Dr. med. Martina C. Herwig-Carl hat seit dem 15.2.2025 die W2-Professur für Ophthalmopathologie an der Augenklinik des Universitätsklinikums Bonn inne. Gleichzeitig übernimmt sie auch die Leitung der neu gegründeten Sektion „Ophthalmopathologie“. 

Nach ihrem Studium der Humanmedizin und Promotion an der Ruhr-Universität Bochum, begann sie ihre Facharztausbildung im Fach Augenheilkunde an der Universitäts-Augenklinik Bonn. Parallel zur Facharztweiterbildung wurde sie in der Ophthalmopathologie ausgebildet und ging 2010 mit einem DFG Forschungsstipendium ins Ophthalmopathologische Labor am Emory Eye Center, Atlanta, USA. Nach Ihrer Rückkehr nach Bonn und Erwerb der Facharztanerkennung und der Zertifizierung für Ophthalmopathologie im Jahr 2012 baute sie ihre erste eigene Arbeitsgruppe zu okulären Tumoren auf. In der Folgezeit erweiterte sie ihr operatives Spektrum im Bereich der Lid-, Tumor- und Hornhautchirurgie.

Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen das Tumormikromilieu, intratumorale Heterogenität und epigenetische Veränderungen beim Aderhautmelanom sowie das gesamte Spektrum der Ophthalmopathologie. Darüber hinaus erforscht sie, basierend auf einer von ihr aufgebauten Biobank von mehr als 1000 fetalen Augen, die Entwicklung des Auges. Als Clinician-Scientist verfolgt sie vor allem translationale Ansätze und beschäftigt sich auch intensiv mit klinisch-pathologischen Korrelationen ophthalmologischer Krankheitsbilder und Interventionen, um durch ein verbessertes Verständnis von Wundheilung und Pathophysiologie die konservative und mikrochirurgische Therapie zu optimieren.

Ihre Forschungsziele sind, neue diagnostische und therapeutische Ansätze für ophthalmologische Tumorerkrankungen zu entwickeln sowie die Digitalisierung der Ophthalmopathologie mittels künstlicher Intelligenz voranzubringen. Zusätzlich engagiert sie sich für innovative Lehrformate und hat bereits ein interaktives „Ophthalmopatho-Quiz“ auf eCampus entwickelt. „Ich freue mich darauf, die Ophthalmopathologie in Bonn weiter auszubauen und die Potenziale der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz für Diagnostik, Lehre und Forschung zu nutzen", so Prof. Herwig-Carl. „Die direkte Verbindung zwischen Forschung, Krankenversorgung und Lehre ist mir dabei ein besonderes Anliegen."

Prof. Dr. Maxmilian Pfau

Prof. Dr. Maximilian Pfau hat seit dem  1. August 2025 die W3-Professur für Retinologie und Digital Imaging an der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde inne. Er  ist ein international ausgewiesener Experte für degenerative Netzhauterkrankungen  wie altersabhängige Makuladegeneration  (AMD) sowie für seltene Erkrankungen wie Retinitis pigmentosa und die Stargardt-Erkrankung. Sein Medizinstudium absolvierte  er als Stipendiat der Studienstiftung des  deutschen Volkes an der Universität Heidelberg, wo er auch grundlagenwissenschaftlich im Fach Biochemie promovierte. Die Facharztausbildung in Augenheilkunde erfolgte an der Universitätsklinik Bonn. Wissenschaftliche Stationen an international führenden Einrichtungen wie der Stanford University und dem National Eye Institute in den USA, gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, prägten seine klinisch-akademische Laufbahn. Zuletzt, bis zu seiner Berufung an die Universität Bonn, leitete er als Oberarzt die Sprechstunde für seltene Netzhauterkrankungen am Universitätsspital Basel und war parallel als Senior Principal Medical Director bei Hoffmann-La Roche an der Entwicklung innovativer Therapien beteiligt.

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© Universitätsklinikum Bonn (UKB) / R. Müller

Prof. Dr. Maximilian Pfau entwickelt hochsensitive Sehtests und moderne Bildgebungsverfahren zur frühzeitigen Diagnose der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) – der häufigsten Erblindungsursache in industrialisierten Ländern. Ziel ist es, zukünftige Therapiestudien bereits in den frühesten Krankheitsstadien zu ermöglichen, um den Erhalt der Sehfunktion möglichst frühzeitig zu sichern. Darüber hinaus etabliert er innovative Verlaufsparameter und funktionelle Testverfahren für erbliche Netzhauterkrankungen. In enger Zusammenarbeit mit internationalen Konsortien ist er an wegweisenden Therapie- und Gentherapiestudien für häufige und seltene, genetisch bedingte Netzhautleiden beteiligt.

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