Seit den 60er Jahren ist fötales Kälber Serum (FCS) der „Goldstandard“ in der Zellkultur. Es ist Hauptbestandteil vieler Nährmedien, die zur Aufzucht und Kultivierung tierischer Zellen außerhalb eines Organismus benötigt werden. Dies wird in der medizinischen Forschung genutzt, um zum Beispiel die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen zu unterstützen. Der weltweite Jahresbedarf lag laut einer Schätzung aus den Jahren 2021 bei etwa 800.000 Litern fetalem Kälberserum (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8349753/). Am UKB wurden im Jahr 2024 etwa 800 Liter FCS verbraucht.
Fetales Kälberserum – was ist das Problem?
Zur Gewinnung von FCS wird ungeborenen Kälberföten mit einer Kanüle direkt aus dem noch schlagenden Herz Blut entnommen. FCS muss aus dem EU-Ausland bezogen werden, da die EU Richtlinie aufgrund von massiven Tierleids die Produktion verbietet. Einerseits sollen aber Zellkulturexperimente unter Verwendung von FCS Tierversuche und somit Tier-Leid eigentlich reduzieren, andererseits ist die Verwendung von FCS aus wissenschaftlicher wie aus tierschützerischer Sicht keine ideale Lösung.
Leidet die Forschung bei Verzicht auf FCS?
Nein, denn die Verwendung von FCS birgt auch Nachteile. Die Zusammensetzung von Seren ist sehr komplex und deren essentielle Bestandteile stark schwankend. Serumfreie Nährmedien sind dagegen in ihrer Zusammensetzung klar definiert. Deren Verwendung erspart daher zeit- und kostenintensiven Testungen von neuen Chargen und erhöht die Reproduzierbarkeit von Experimenten. Zudem ist die Verwendung von einem Rinderprodukt in der klinischen Forschung mit menschlichen und mausartigen Zellen kritisch zu betrachtet.
„Replace, Reduce and Refine“ von FCS: Was können wir am UKB machen?
Es gibt bereits Alternativen, mit denen eine Verringerung im Verbrauch beziehungsweise durch den vollständigen Ersatz von FCS – im Sinne des 3R-Prinzips (replace, reduce, refine) – die jährlichen Verbrauchszahlen an Rinderfeten gesenkt werden können. Die Stabsstelle Gentechnik startet zusammen mit dem Prodekanat für Nachhaltigkeit der Medizinischen Fakultät und dem 3R-Kompetenznetzwerk NRW ein Projekt für einen nachhaltigeren Umgang mit FCS am UKB. In einem ersten Schritt möchte das Team gerne theoretische Vorschläge und praktischen Ansätze zur Einsparung von FCS von UKB-Mitarbeitenden sammeln.
Bitte senden Sie Ihre Anregungen, wie alle zur Einsparung von FCS beitragen können, an prodekanat.nachhaltigkeit@ukbonn.de.
Bereits spezifisch auf Zelllinien getestete Medien gibt es schon jetzt unter folgendem Link.
Hier geht es zum Prodekanat für Nachhaltigkeit.
Online-Minisymposium
Zum Einstieg in das Thema „Tierfreie Alternativen im Labor“ bietet das 3R-Kompetenzkolloqium in diesem Monat ein Online-Mini-Symposium zum Thema mit gleich vier Vortragenden am 30. April 2026 von 13:00 bis 15:00 Uhr an. Die Veranstaltung bietet eine ideale Gelegenheit, sich zu informieren, Erfahrungen zu Best Practices auszutauschen und neue Impulse für die eigene Arbeit im Labor mitzunehmen. Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung. Sie können sich über diese Einwahldaten für das Zoom-Webinar anmelden (Webinar-ID: 649 7713 9129; Kenncode: 654768) oder über den QR-Code im unten verlinkten Ankündigungsplakat. Die Teilnahme an dieser Veranstaltung wird mit Fortbildungsstunde nach §3 TierSchVersV für Tierversuche durchführende und leitende Personen zertifiziert.
Mehr Infos zum Online-Minisymposium „Tierfreie Alternativen im Labor“ finden Sie hier.