Zum ersten Mal kamen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Physikalischen Instituts der Universität Bonn sowie der Medizinischen Fakultät und des Universitätsklinikums Bonn zum Medicine-Physics Symposium zusammen. Im IMPULSE-Gebäude stellten sie laufende Projekte vor und loteten aus, wo sich die Kompetenzen beider Disziplinen sinnvoll ergänzen könnten.
„Viele große Fortschritte in der Medizin beruhen auf Methoden, die ursprünglich in der Physik entwickelt wurden. Die Physik in Bonn ist mit ihren drei geförderten Exzellenzclustern in ihren Kompetenzen einzigartig in Deutschland.“, sagte Prof. Dr. Bernd Weber, Dekan der Medizinischen Fakultät, zur Eröffnung. „Mit dem Symposium wollen wir diesen Weg verkürzen und Forschende beider Disziplinen frühzeitig zusammenbringen, damit aus Ideen gemeinsame Projekte werden.“ In seiner Begrüßung gab er zudem einen Überblick über mögliche Förderwege für gemeinsame Vorhaben.
Anschließend stellte Prof. Dr. Simon Stellmer vom Physikalischen Institut die Forschungsschwerpunkte der Bonner Physik vor und zeigte auf, wo er Potenzial für die Übertragung in die Medizin sieht. „In unseren Laboren entstehen Messverfahren von großer Präzision, etwa für winzige Magnetfelder oder einzelne Moleküle in der Atemluft“, so Stellmer. „Welche dieser Entwicklungen für Patientinnen und Patienten relevant werden können, erkennen wir oft erst im Gespräch mit der Medizin.“
Wie vielfältig diese Anknüpfungspunkte sind, zeigten die kurzen Projektvorstellungen im weiteren Verlauf des Vormittags. Prof. Dr. Lukas Kunz stellte Ableitungen einzelner Nervenzellen im menschlichen Gehirn vor, mit denen er die zellulären Grundlagen der räumlichen Orientierung untersucht. Prof. Dr. Martin Weitz präsentierte Bose-Einstein-Kondensate aus ultraviolettem Licht und ihre möglichen medizinischen Anwendungen. Dr. Max Schelski ging der Frage nach, wie die Gestalt von Dendriten weitreichende molekulare Umordnungen antreibt und so Unterschiede zwischen Zelltypen prägt. Prof. Dr. Simon Stellmer zeigte, wie sich mit Laserquellen im UV-Bereich Stickstoffmonoxid in der Atemluft nachweisen lässt. Damit könnten chronische Entzündungen und Tumoren der Lunge künftig ohne Eingriff diagnostiziert werden.
Im zweiten Block standen Bildgebung und Magnetfeldmessung im Mittelpunkt. Stellmer stellte hier eine optimierte optische Alternative zu hyperpolarisiertem Xenon für die Bildgebung der Lunge vor. Prof. Dr. Verena Hörr widmete sich optisch gepumpten Magnetometern und ihrem Einsatz im Zusammenspiel mit der MRT. Prof. Dr. Daqing Wang berichtete über Magnetfeldmessungen mit organischen Materialien. Prof. Dr. Dominik Bach zeigte schließlich, wie optisch gepumpte Magnetometer die Messung von Hirnaktivität bei Menschen in Bewegung ermöglichen.
Die Kaffeepausen zwischen den Blöcken boten Raum für den direkten Austausch. „Ob in der Bildgebung der Lunge oder bei der Messung von Hirnaktivität während der Bewegung: Die vorgestellten Projekte zeigen, wie konkret die Anknüpfungspunkte schon heute sind“, resümierte Weber. „Jetzt kommt es darauf an, sie gemeinsam weiterzuentwickeln.“
Neben der wissenschaftlichen Diskussion verfolgte das Symposium das Ziel, besonders vielversprechende Forschungsfelder für eine Zusammenarbeit zu identifizieren. Langfristig soll daraus ein stabiles Netzwerk entstehen, aus dem auch gemeinsame Förderanträge hervorgehen können. In einer abschließenden Zusammenfassung zogen Weber und Stellmer eine erste Bilanz. „Die Resonanz auf diese erste Ausgabe war sehr ermutigend“, sagte Stellmer. „Wir möchten das Format fortführen und den Austausch so verstetigen, dass daraus langfristige Kooperationen und gemeinsame Anträge entstehen.“